NetzwerkForum AirLogistik - Aircargo, Logistik und Wirtschaft in bewegten Zeiten

Am 24. Juni 2019 fand das 1. NetzwerkForum AirLogistik unter dem Titel "Aircargo, Logistik und Wirtschaft in bewegten Zeiten“ vor rund 50 Entscheidern aus allen Bereichen entlang der Logistikkette im Konferenzzentrum des Flughafens Düsseldorf  statt. Eröffnet wurde die Veranstaltung des Kompetenznetzes Logistik.NRW durch Ralf Düster, Vorstand Setlog Holding AG sowie Mitglied des Lenkungskreises Kompetenznetz Logistik.NRW. Ralf Düster lobte die Vorbereitungen des Forums, die – wie auch bei den anderen Kompetenznetz-Foren – im Rahmen des Netzwerkes und dieses Mal auch in den Luftfrachtgremien des VVWL erfolgten, da der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW (VVWL) als einer der Träger des Kompetenznetzes Mitveranstalter der Veranstaltung war. Er dankte für das Engagement der Mitglieder dieser Kreise und insbesondere Thomas Klinkhammer, Geschäftsführer EMO-TRANS GmbH und Vorsitzender des Ausschusses Luftfrachtspedition im VVWL.

Düster betonte, dass das Forum AirLogistik sich – wie die anderen NetzwerkForen (z.B. SchifffahrtHafenLogistik, HandelsLogistik, ChemieLogistik Immobilien in der Logistik oder Personal in der Logistik) – zu einer jährlich wiederkehrenden NRW-Plattform entwickeln soll. Auf dieser Plattform sollen sich alle Teile der luftverkehrsgebundenen Supply Chain im logistischen Teilmarkt AirLogistik (einschließlich Versender, Empfänger, Zulieferer und z.B. politisch-administratives Umfeld) zu einer Austausch- und Netzwerkmöglichkeit zusammenfinden. U.a. sollen Verbesserungen der Rahmen- und Standortbedingungen und Abläufe ein Ziel sein. „Die aktuelle Klimadebatte und mögliche Beiträge des Güterverkehrs, die infrastrukturellen und kapazitativen Herausforderungen, die Digitalisierung von Prozessen und Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Logistik und Administration, aber auch die Lage der internationalen Märkte und die handels- wie allgemeinpolitische Situation sind nur einige bedeutende Themen, die uns in der internationalen AirLogistik umtreiben“, hob Düster hervor. In einem anschließenden Grußwort hob Michael Hanné, Geschäftsführung der Flughafen Düsseldorf GmbH, die Bedeutung des Themas Luftfahrt für NRW hervor, dessen Flughäfen jährlich fast 50 Millionen Passagiere bedienten.

Hauptredner war Hendrik Wüst, Minister für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, der sich freute, bei der Grundsteinlegung einer neuen Tradition für die AirLogistik in NRW dabei sein zu können. Er unterstrich, dass Mobilität in ihrer Grundfunktion Menschen verbinde und Güter von A nach B befördere. Die Landesregierung stehe dem Luftverkehr von Personen und Fracht positiv-offen gegenüber und sehe seine Leistungen deutlich. Gerade die Infrastruktur habe es in NRW ermöglicht, dass Wirtschaftswachstum auch außerhalb der Ballungsräume stattgefunden habe. Entsprechend erwarte die Landesregierung, dass der Bund mit dem Instrument der CO2-Steuer umsichtig umgehe. Eine solche Steuer sei zwar ein sehr ergiebiges Einnahmeinstrument, würde aber beispielsweise auch Pendlerverkehre entsprechend verteuern. Bei besserer Mobilität und besserem Klima komme man nur voran, wenn es für die Menschen ein besseres Angebot gebe. Als Beispiel nannte Wüst die bessere Vernetzung von Verkehrsträgern durch die Digitalisierung oder der Ausbau und die Reaktivierung von Bahnstrecken. Eine umweltorientierte Verkehrsverlagerung halte Anwohner aber nicht von ihrem Widerstand gegen den Gleisausbau ab wie das derzeit beispielsweise beim Rhein-Ruhr-Express der Fall sei. Grundsätzlich sieht der Minister Verbote oder dirigistische Maßnahmen skeptisch wie beim Thema Flughäfen deutlich wurde. In Deutschland gebe es Marktwirtschaft und keine Planwirtschaft. Die Flughäfen und Fluggesellschaften müssten sich im Wettbewerb behaupten. Da könne man niemandem vorschreiben, wie einzelne Flüge auf Flughäfen verteilt würden. Der Landesregierung sei es wichtig, an innovativen Technologien zu arbeiten, die für weniger Fluglärm sorgen und den Anwohnern nutzen. Deswegen werde der Flugplatz Aachen Merzbrück mit 4 Millionen Euro vom Land zum Forschungsflughafen ausgebaut. Und das Projekt „Silent Air Taxi“ der RWTH Aachen ist schon ein Blick in die Zukunft der Mobilität.

In der darauf folgenden ersten Podiumsrunde unter Moderation von Dr. Christoph Kösters, Manager Kompetenznetz Logistik NRW und Hauptgeschäftsführer des VVWL NRW diskutierten Claudia Albers, Head of Exportcontrols, Customs and Freight Management HARTING Logistics GmbH & Co. KG, Koen Bolster, Director Germany-Austria / Air France KLM Martinair Cargo and Delta Air Lines Cargo sowie Jan Heitmann, Manager Public Affairs, United Parcel Service Deutschland S.à.r.l. & Co. oHG über Politik und Praxis des Logistikstandortes NRW. Bolster hob die Verantwortung der Luftfahrtindustrie beim Klimaschutz hervor. So müsse der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden, weswegen die von ihm vertretenen Flotten auf moderne zweimotorige Flugzeuge umgestellt würden. Heitmann betonte dabei, dass ökologische Verbesserungen durchaus auch ökonomische Vorteile mit sich bringen könne, wie beispielsweise der Bau leichterer Container, die mehr Fracht pro Flugzeug ermöglichen und den CO2-Footprint reduzieren. Albers verwies in dem Zusammenhang auf die Herausforderung, Logistik nachhaltig zu gestalten und gleichzeitig den Kundenwunsch zu erfüllen, selbst bei später Bestellung eine Next-Day-Lieferung zu gewährleisten, was nur durch eine sorgfältige Prozessoptimierung möglich sei. Hierzu würden auch neue Lösungsansätze geprüft, wie beispielsweise die Bedienung des asiatischen Marktes per Schiene. Einheitlich bestätigten die Diskutanten eine Abschwächung der Konjunktur 2019 gegenüber den erfreulich starken Zuwächsen des Vorjahres. Bolster gab dabei zu bedenken, dass die konjunkturelle Entwicklung in der Vergangenheit langfristig eher einer Sinuskurve ähnelte und eine zeitliche Abkühlung eher der Regel entspräche. Auf Anfrage aus dem Auditorium nach ökologisch optimierten Verpackungen bestätigte Albers, dass in dieser Richtung große Anstrengungen unternommen würden, allerdings müssten alternative Verpackungen beispielsweise aus Vlies statt Plastik auch maschinenkompatibel sein. Heitmann gab zu bedenken, dass die gesamte Ökobilanz der Verpackung betrachtet werden müsse.

An der zweiten Podiumsrunde unter dem Motto „Prozesse, Märkte und Standorte im Wandel“ nahmen neben Koen Bolster, Thomas Klinkhammer und Ralf Düster auch Gerton Hulsman, Geschäftsführer Flughafen Düsseldorf Cargo GmbH sowie Felix Hettlage, Geschäftsführer Mode Logistik GmbH & Co. KG (Peek & Cloppenburg) und Burkhard Lemm, Logistics Manager / Production Manager HKG Garment Solution GmbH teil. Generell bestätigten die Teilnehmer einen anhaltenden Veränderungsprozess. Düster stellte dabei in Frage, dass trotz der zunehmenden Volatilität, Handelskonflikte und globalen Unsicherheit der Märkte immer ausreichende Kapazitäten vorgehalten werden könnten. Klinkhammer fügte hinzu, dass früher die Geschäftsentscheidungen eher aus dem Verkauf getroffen wurden, heute jedoch das Augenmerk deutlicher auf der Auslastung liege. Unwahrscheinlich fand Hettlage eine generelle, langfristige Konzentration auf den asiatischen Markt, da einige ostasiatische Häfen nicht mit der Konjunktur mitwachsen würden; auch die Neue Seidenstraße sei noch nicht konkurrenzfähig zur Luftfracht. Zudem würden Gegentrends erkennbar, beispielsweise sei eine Rückverlagerung der Arbeit nach Europa in absehbarer Zukunft möglich. Lemm hierzu berichtete von einem Zwischenfall in Russland, wo ein Container beschädigt und daraufhin vom Zoll für ein dreiviertel Jahr beschlagnahmt wurde. Danach sei die Ware kaum noch verwertbar gewesen. Bezüglich der Abfertigungsprobleme in Frankfurt bestätigte Hulsman eine kurzfristige Umsatzsteigerung in Düsseldorf, was laut Klinkhammer auch auf die gute Zusammenarbeit und unbürokratische Lösungen zwischen Carrier, Flughafen und Luftfrachtspediteuren zurückzuführen sei. Laut Bolster hatten sich zahlreiche Kunden aufgrund der Probleme um einen weiteren Hub gekümmert, was beispielsweise München oder Düsseldorf zugutekam, in zahlreichen Fällen aber auch Lüttich.

Digitale Optimierung voranzutreiben war eine gemeinsame Forderung der Teilnehmer. Bolster forderte eine digitale Airwaybill und einen cloudbasierten Zugriff der relevanten Daten für alle an der Logistikkette beteiligten. Düster kritisierte, dass zahlreiche Prozesse immer noch manuell gesteuert würden: „Es muss dringend vermieden werden, dass Waren stehen bleibt, weil administrative oder zolltechnische Vorgaben nicht eingehalten werden. Es ist absolut erforderlich, dass Fördergelder in die Forschung fließen.“ Auch Hulsman bezeichnete den Digitalisierungsprozess als zäh. Die Branche hatte das Ziel, bereits 1998 Papier als Medium abzulösen, bei der Airwaybill jedoch im Jahre 2019 eine Digitalisierungsquote von gerade einmal 60 % erreicht. Hettlage mahnte, dass digitale Zusatzleistungen von den Reedereien und Spediteuren als selbstverständliche Innovationen angesehen werden müssten und nicht beispielsweise den Kunden ein simples GPS-Tracking mit hohen Aufschlägen in Rechnung gestellt werden dürfe. Dem stimmte Klinkhammer zu; so habe sein Unternehmen mit großem Aufwand eine eigene Cloudlösung geschaffen, damit die größeren Kunden nicht auf unterschiedlichen Plattformen Schnittstellen erstellen müssten. Düster pflichtete bei, dass die große Herausforderung die fehlende Standardisierung sei – insbesondere zwischen den unterschiedlichen Verkehrsträgern. Bolster merkte an, dass es gerade in Sicherheitsfragen eine Vielzahl an Regeln zu befolgen gelte. Um auf diesem Gebiet menschliche Fehler zu reduzieren, sei eine stärkere Digitalisierung unerlässlich.

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