13.12.2019

NetzwerkForum Industrie 4.0 & Logistik

Am 10. Dezember 2019 führte das Kompetenznetz Logistik.NRW im Rahmen seiner Reihe Industrie 4.0 & Logistik gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Unna und der IHK zu Dortmund das zwischenzeitlich 11. NetzwerkForum zu diesem Thema durch.

Bönen. Am 10. Dezember 2019 führte das Kompetenznetz Logistik.NRW im Rahmen seiner Reihe Industrie 4.0 & Logistik gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Unna und der IHK zu Dortmund das zwischenzeitlich 11. NetzwerkForum zu diesem Thema durch. Thema bei dieser letzten Fachveranstaltung im Jahr 2019 war die Veränderung in der Logistik durch Roboter und Automatisierung. Wie immer bot die Veranstaltung interessante Einblicke in neue Technologien und ihre konkrete Anwendung in der logistischen Praxis. Gut 25 Teilnehmer verfolgten die spannende Veranstaltung im Kompetenzzentrum Bio Security in Bönen.

Claus Middelhoff von der ro-ber Industrieroboter GmbH gab zunächst einen Einblick, wie die unternehmenseigenen Portalroboter in einem breiten Feld eingesetzt werden können. Marco Atzberger vom EHI Retail Institute zeigte auf, wie Automatisierung und Robotik den Handel verändern können. Mit dem Startup Pitch der Firma Smart Robotic Systems stellte Sebastian Rohde vor, wie einfach und flexibel Drohnenmanagement in der Extra- und Intralogistik eingesetzt werden kann. Johannes Schirmer von der BLG Logistics Group berichtete, wie das Logistikunternehmen bereits Drohnen & Roboter in ihren Prozess der Supply Chain vielseitig integriert. Abschließend erläuterte Dr. Sören Kerner vom Fraunhofer Institut IML, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Automatisierung der Logistik noch flexibler machen wird.

RO-BER Industrieroboter GmbH zum Thema „Portalroboter in der Intralogistik – Einsatzmöglichkeiten und Vorteile“

Referent: Claus Middelhoff, Geschäftsführer

Zu Anfang gab Herr Middelhoff erstmal eine Übersicht an verschiedenen Portalrobotertechnologien, die in der Intralogistik zum Einsatz kommen. Dabei wird zwischen einfachem oder mehrfachem Greifen sowie produktlagerndem Greifen unterschieden. ro-Ber stellt Linien- und Flächenportale her, die sich dahingehend unterscheiden, dass Linearportale die Punkte, die mit dem Greifer angefahren werden sollen, in einer Achse liegen. Flächenprotale können große räumliche Bereiche abdecken. Hier kann der Portalarm auch über eine große Fläche beliebig positioniert werden. Gelenkarmroboter kommen schnell an ihre Grenzen und Portalroboter haben diesbezüglich einen Arbeitsraumvorteil. Abschließend erläuterte Herr Middelhoff dem Publikum die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Portalrobotern, u.a. auch wie sie mit FTS kombiniert werden können. 

EHI Retail Institute zum Thema: „3 Jahre Robotics4Retail Initiative: Insights in die Chancen für Roboter im Einzelhandel “

Referent: Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung des EHI Retail Institute

Was versteht der Einzelhändler eigentlich unter Robotern und wofür braucht er diese? Mit dieser Frage setzte sich Herr Atzberger im Rahmen seines Vortrages auseinander. Das EHI Retail Insitute hilft Einzelhändlern, Innovationen einzuschätzen und was Roboter zum Beispiel in der Filiale heutzutage können. Ebenso ist das EHI aber auch bei der Umsetzung neuer Technologien dabei.

Gründe für Automatisierung sind steigende Kundenerwartungen, erhöhter Wettbewerbsdruck, Fachkräftemangel aber auch die technischen Möglichkeiten. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Robotik und Automatisierungslösungen in den Logistikzentren und in der Filiale. Immerhin fallen laut Herrn Atzberger 50% der Logistikkosten in der Filiale der Einzelhändler an. Abgerundet hat Herr Atzberger seinen Vortrag mit einer Vielzahl an Praxisbeispielen, bei denen das EHI Retail Institute mit Einzelhändlern bereits neue Technologien zum Einsatz bringt.

Startup Pitch Smart Robotic Systems GmbH

Referent: Sebastian Rohde, Geschäftsführer bei Smart Robotic Systems GmbH

Weiter ging es mit einem interessanten Startup Pitch, dass die Welt der Drohnentechnologie weiterentwickelt. Mit SKIDER hat Smart Robotic Systems eine Erweiterungs- und Entwicklungsplattform für Drohnenanwendungen geschaffen. Sebastian Rohde zeigte, wo bestehende Systeme an ihre Grenzen stoßen, denn SKIDER ermöglicht die anwendungsgerechte Steuerung von Flugplattformen zur ergebnisorientierten Datenerfassung – und dies unabhängig von jedem Drohnensystem. Weiter wird eine unterbrechungsfreie Kommunikation über größere Distanzen, redundant und verschlüsselt, gewährleistet. Es können ganz einfach vorhandene Schnittstellen bedient und anpasst werden.

BLG Logistic Group mit dem Thema „Drohnen, Roboter & Innovationen bei BLG LOGISTICS“.

Referent: Johannes Schirmer, Sales Manager

Nachdem es mehrere Vorträge über verschiedene Robotern und Automatisierungstechnologien zu hören gab, hat Herr Schirmer eine Vielzahl von Anwendungsbeispielen dieser Technologien bei BLG aufgezeigt. Zum Beispiel werden für einen Kunden im Logistikzentrum Emmerich Drohnen zur unterjährigen Inventur genutzt – die Piloten für die Drohnen werden unternehmensintern geschult und ausgebildet. Bei einem Hersteller von Markenberufskleidung wird robotergestütztes Kommissionieren verwendet, wo kleine Carrys über einen Barcode am Fußboden (abgeschirmter Bereich von Menschen) von allein die Ware aufnehmen und selbständig die Route zum Ziel auswählen. Vorteil des robotergestützten Kommissionierens ist, dass diese flexibel an jedem Standort eingesetzt werden können. Für die Zukunft plant BLG KI-unterstützende Schichtplanung sowie das Schulen von neuen Mitarbeitern beim Kommissionieren mi VR-Brillen.

Fraunhofer IML mit dem Thema „Künstliche Intelligenz in der Logistik – die Praxis der selbstorganisierenden Systeme“

Referent: Dr.Sören Kerner, Abteilungsleiter Automation und eingebettete Systeme

Herr Dr. Kerner begann seinen Vortrag mit einer Definition von Künstlicher Intelligenz (KI) und der Feststellung, dass sie vor allem in der Automatisierung viele Vorteile schafft. Das Fraunhofer IML arbeitet intensiv in der anwendungsorientierten Forschung mit diesen Technologien, z.B. bei einem Versuchsaufbau, wo Schwärme von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) kollaborativ mit Menschen zusammen interagieren und arbeiten.

Ein anderes Beispiel, dass Herr Dr. Kerner erläuterte, ist das Novel Ecosystem, bei denen Drohnen selbst entscheiden, wie sie sich untereinander bewegen und das in der Interaktion mit Menschen. Er gab den Ausblick, dass durch neue Technologien insbesondere die Schnittstelle Mensch / Maschine noch deutlich zu verbessen sein wird.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit allen Referenten, moderiert von Peter Abelmann vom Kompetenznetz Logistik.NRW, diente der umfassenden Beantwortung von Fragen hinsichtlich aller gehaltenen Vorträge. Herr Abelmann stellte zunächst die Frage, wie schnell und sinnvoll Robotic in Lagern sei und wie die Zukunft dort aussehe. Herr Rohde sagte ganz klar, dass konkrete Anwendungsfelder identifiziert werden müssen, damit die Technologie in der Logistik bzw. Industrie Fuß fassen kann. Herr Middelhoff ergänzte, dass Roboter immer filigraner werden wie Menschenhände, denn auch die Flexibilität der bestehenden Systeme haben langfristig ihre Grenzen. Dennoch waren sich alle einig, dass der Mensch und die Maschine zusammen interagieren müssen. Das Eine wird nicht ohne das Andere zusammen funktionieren. Denn am Ende sei Robotic ein Assistenzsystem für den Menschen. Nicht der Mensch muss sich der Technik anpassen, sondern die Technik bzw. Maschine soll lernen, mit dem Menschen zu arbeiten. Daher müssen auch KI-Ingenieure und Data-Analysten in der Industrie die Technik verständlich machen. Letztlich muss die Komplexität aus den Systemen rausgenommen werden, denn nicht jeder Mitarbeiter kann ein KI-Ingenieur sein.