02.10.2019

NetzwerkForum Industrie 4.0 & Logistik – Künstliche Intelligenz in der Intralogistik

Bocholt. Am 30. September 2019 führte das Kompetenznetz Logistik.NRW im Rahmen seiner Reihe Industrie 4.0 und Logistik gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Bocholt das zwischenzeitlich 9. NetzwerkForum durch, um aktuelle Technologiethemen in der Logistik zu verankern. Ausrichter war dieses Mal die Bocholter LB GmbH als langjähriges Mitglied des LOG-IT Club e.V. (Träger des Kompetenznetzes). Thematisch ging es um „Künstliche Intelligenz in der Intralogistik“. Über 30 Fachleute folgten der Einladung in die modernen Räumlichkeiten der LB GmbH im Industriepark und diskutierten über die verschiedensten Anwendungsfälle von KI in der Intralogistik.

Andreas Trautmann von der Logata Digital Solutions GmbH gab einen ersten Einblick für Einsatzgebiete für KI und den Zusammenhang zu Portalen. Anschließend präsentierte Tim Klauke sein 2017 gegründetes Start-Up ForkOn, dass das Flottenmanagement von Gabelstablern völlig neu denkt. Roman Kucza von der IdentPro GmBH zeigte auf, was die zwei Ursachen aller Probleme im Lager sind und wie wir sie bekämpfen können. Jens Leveling von Digital in NRW stellte anhand von Beispielen und Unterstützungsangeboten vor, wo KI in der Intralogistik eingesetzt werden kann. Mario Pasi von der CGI Deutschland B.V. & Co.KG hat als letzter Vortragender das Gesamtbild von KI in der Intralogistik abgerundet, indem er dem Publikum darstellte, was man als Unternehmen tun kann, um mit KI in Verbindung zu kommen.

Logata Digital Solutions GmbH zum Thema „Digitale Plattformökonomie in der (Intra-) Logistik“

Referent: Andreas Trautmann, Geschäftsführer

Herr Trautmann stellte die verschiedenen Gesichter der KI und ihrer Anwendungsfälle in der Intralogistik vor. Plattformen spielen eine wesentliche Rolle für die vielfältigen Anwendungsgebiete der KI. Im Endeffekt ist KI keine Wundertechnik. Die Frage, die sich Unternehmen stellen müssten, ist, ob die Lösung zu den identifizierten Problemen passe. Weitere Fragen sind: Habe ich als Unternehmen Uni- oder Multivariante Optimierungsprobleme und ist genügend internes Know-How vorhanden, das diese Komplexität beherrschen kann? Außerdem stelle sich immer die Frage: „Wem gehören die Daten?“ Daten sind die Grundlage für neue Geschäftsmodelle und verändern unsere Ökonomie. Skalierungen bestimmen den Erfolg, Partner-Netzwerke rücken in den Vordergrund und Ökosysteme müssen einen Mehrwert liefern.

Startup Pitch ForkOn GmbH

Referenten: Tim Klauke, Founder & CEO; Dr. Vlada Pototskaia, Software Developer Backend & Data Scientist

Tim Klauke und Vlada Pototskaia stellten uns das 2017 gegründete Start-Up ForkOn vor, dass die Welt von Gabelstaplern revolutionieren will. Oftmals werden Lösungen erforscht, um dann das passende Problem zu finden. Das Problem muss vorher identifiziert werden, damit die passende Lösung gefunden wird. Und genau da setzt ForkOn an: Viele Betreiber großer Logistikzentren haben oftmals keinen Überblick über ihre Gabelstaplerflotte.

Sie wissen nicht, wie viele Geräte wo bereitstehen, wie die genauen Abläufe aussehen oder wo die großen Kostentreiber sind. ForkOn hat es sich zur Aufgabe gemacht, mithilfe ihrer Software durch den Einsatz von Data Science und KI diese Intransparenz zu reduzieren, Einsparungspotenziale offen zu legen und somit die Gabelstaplerflotten zu optimieren, um massiv Ressourcen zu sparen.

IdentPro GmbH mit dem Thema „Digitalisierte Intralogistik mit bemannten und autonomen Staplern“.

Referent: Roman Kucza, Leiter Sales & Marketing

„Kennen Sie die zwei Ursachen aller Probleme im Lager?“. Mit dieser Frage startete Herr Kucza seinen Vortrag und die Antwort kam auch direkt: Falsches Scannen und falsches Abstellen der Paletten. KI ist in aller Munde und nicht mehr wegzudenken, aber Herr Kucza sagt ganz klar: „Vor der KI kommt die DI“, denn KI ist immer nur so gut, wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Dort setzt IdentPro an, um auch den Mischbetrieb von bemannten (FFZ) und autonomen Staplern (FTS) reibungslos zu gewährleisten mit ihrem Staplerleitsystem identplus. Mit identplus erfolgt eine automatische Lokalisierung von Staplern und Waren durchgängig in Hallen und im Außenlager mittels Laser ohne zusätzliche Infrastruktur. Die Staplerortung mittels Laser ist vollkommen wartungsfrei.

Digital in NRW / Fraunhofer IML mit dem Thema „Beispiele und Unterstützungsangebote für den Einsatz von KI in der Intralogistik“

Referent: Jens Leveling, KI-Trainer Teamleiter Data Driven Logistics

Wie Alan M. Turing bereits 1950 wusste: “A computer would deserve to be called intelligent if it could deceive a human into believing that it was human.” Mit diesem Einstieg wollte Jens Leveling dem Publikum zeigen, dass KI bereits lange existiert und seitdem enorme Fortschritte in der Umsetzung gemacht hat. Denn die Grundidee der KI ist die künstliche Nachbildung von natürlichen (menschlichen) Lernvorgängen, d.h. Wissen aus Erfahrung generieren. Komplexe Merkmale werden aufbauend auf einfachen Merkmalen erlernt, was auch unter dem Begriff Deep Learning bekannt ist. Anhand von Bilderkennung in der Logistik wie beispielsweise die Umgebungswahrnehmung von AGVs / FTS oder auch bei der Klassifikation von Dokumenten erklärte Herr Leveling die Herausforderungen und stellte erste Lösungsansätze vor, wie diese Herausforderungen mit KI einfach behoben werden können.

CGI Deutschland B.V. & Co. KG mit dem Thema „Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Intralogistik – Chancen und Risiken“

Referent: Mario Pasi, Director Consulting Services

Abschließend stellte uns Mario Pasi vor, was man als Unternehmen tun muss, um mit KI in Verbindung zu kommen. Anhand von zwei Beispielen, wie es CGI geschafft hat, menschliche Fähigkeiten in die Maschine zubringen, konnte das Publikum verstehen, dass es verschiedene Erscheinungsformen von KI geben kann. KI kann integriert ein Bestandteil vom Ganzen sein, aber auch als Service fungieren. So sollte der KI-Einsatz ganz individuell für unterschiedlichste Anforderungen entwickelt werden.

Die anschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Peter Abelmann vom Kompetenznetz Logistik.NRW, diente der umfassenden Beantwortung von Fragen hinsichtlich aller gehaltenen Vorträge. Ergebnis der Diskussion war, dass KI natürlich immer eine Frage der Perspektive ist und sie als Chance oder als Risiko gesehen werden kann. Technologie führt immer dazu, dass es einen Wandel in der Gesellschaft gibt. Einerseits fallen möglicherweise einfache, standardisierte Jobs weg, aber gleichzeitig entstehen neue spannende Aufgaben. Unsere Gesellschaftsmodelle müssen dazu überdacht werden. Abschließend waren sich alle einig, die Gesellschaft wird sich der Technologie anpassen, denn die Technologie ist nicht aufzuhalten. KI ist ein Hilfsmittel, auch die Probleme in der Intralogistik zu lösen und Unternehmen müssen Use Cases schaffen, um ihre Probleme lösen zu wollen und nicht erst die Lösung für ein unbekanntes Problem entwickeln.

„Wir haben uns sehr gefreut, dass das Kompetenznetz Logistik NRW nach 2016 wieder einmal in Bocholt – im Industriepark – zu Gast war. Die Impulsvorträge zum Thema KI in der Intralogistik haben gezeigt, wie vielfältig das Thema ist und welche Herausforderungen – aber auch Vorteile durch den Einsatz von KI auf die Logistikbranche in den nächsten Jahren entstehen,“ sagten Herr Dieckhues und Frau Hullermann von der Wirtschaftsförderung Bocholt.