14.06.2016

8. Branchenforum SchifffahrtHafenLogistik

Infrastruktur und Innovation: Investieren wir genug in die Zukunft?

Bereits zum achten Mal veranstalteten das Logistikcluster - das vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik (VVWL) NRW e.V. und dem LOG-IT-Club e.V. getragen wird - und der VVWL  gemeinsam mit der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg am 13. Juni das BranchenForum SchifffahrtHafenLogistik. Die Veranstaltung, die von Michael Cordes von der Verkehrsrundschau moderiert wurde, stand in diesem Jahr unter der Überschrift „Infrastruktur und Innovation: Investieren wir genug in die Zukunft?  und stieß wieder mit etwa 100 Teilnehmern aus Politik, Verwaltung, aus der Schifffahrts-, und Logistikwirtschaft, aus Industrie, Handel sowie aus Verbänden und den IHKen auf reges Interesse.

Dr. Christoph Kösters, Hauptgeschäftsführer des VVWL und Clustermanager Logistik NRW zeigte sich in seiner Begrüßungsansprache erfreut, dass der aktuelle Entwurf des BVWP 2030 deutlich zeigt, dass die Bundesverkehrspolitik eine Kehrtwende in der Infrastruktur-Finanzierung vollziehen möchte und künftig dem Erhalt der bestehenden Infrastruktur den notwendigen Vorrang gibt. Und begrüßte, dass die veranschlagten 264,5 Mrd. Euro bedarfsgerecht zur Engpassbeseitigung auf den Hauptverkehrsachsen eingesetzt werden sollen.

„Noch zu lösen sind in diesem Zusammenhang die fehlenden Planungs- und Ingenieurs-Kapazitäten. Eine deutliche Planungsbeschleunigung, eine nachhaltige Personalaufstockung bei Ingenieuren, Prozessoptimierungen auch im Planungsrecht und leistungsfähige Verkehrswegeverwaltungen mit effizienten Umsetzungen sind das Gebot der Stunde“, erklärte Kösters weiter. Er kritisierte, dass die Bedeutung der Verkehrsachsen zu/von den ZARA-Häfen für NRW in dem Entwurf nicht ausreichend Berücksichtigung findet. „Wir zweifeln bekanntlich die Ergebnisse der Seeverkehrsprognose 2030 zu den Entwicklungen der nordwesteuropäischen Seehäfen an und sehen es kritisch, dass diese als eine der Grundlagen des BVWP 2030 dienen, mit der Folge der „Schlechterrechnung“ der Seehafen-Anbindungen von NRW zu den ZARA Häfen, Eiserner Rhein oder Abladeverbesserung / Sohlenstabilisierung am Rhein über Dormagen-Stürzelberg hinaus“, so Kösters.

IHK- Geschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger, der als Hausherr grüßte, gratulierte dem Duisburger Hafen zum 300. Geburtstag, und wies auf dessen Bedeutung für die Region hin.

Als Hauptredner referierte Reinhard Klingen, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur - der den kurzfristig verhinderten Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesministerium vertrat -  zum Thema „Welchen strategischen Leitfaden bietet die Bundesverkehrspolitik für 2016 plus“. Klingen betonte, dass der neue Bundesverkehrswegeplan mit einem Volumen von 264,5 Milliarden Euro und über 1.000 Projekten das stärkste Investitionsprogramm für die Infrastruktur ist, das es in der Bundesrepublik je gab. Er wies darauf hin, dass Nordrhein-Westfalen mit rund 19 Prozent den höchsten Anteil an Investitionen in den Neu- und Ausbau von Straßen hat. Damit sei im Vergleich zum BVWP 2003 der Anteil beim Neu- und Ausbau von Straßen um über  60 Prozent gesteigert – von 7,924 Milliarden Euro auf 12,950 Milliarden Euro. Erstmals seien an der Erstellung des BVWP Bürgerinnen und Bürger beteiligt gewesen. Insgesamt seien im BMVI 40.000 Rückmeldungen eingegangen, die jetzt ausgewertet würden.

Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, wies in seinem Vortrag „Perspektiven und Innovationspotentiale der Häfen in der Maritimen Logistik“ kritisch darauf hin, dass die bisherigen Planungen an den Nordhäfen auf Wirtschaftwachstum ausgerichtet waren, dass aber der derzeitige Rückgang des Welthandels zeige, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Die Containerisierung habe weitestgehend ihren Höhepunkt erreicht und biete auch keine weiteren Wachstumspotenziale. Auch die Folgen der Investitionen in den südeuropäischen Häfen werde man mittelfristig in unserer Region spüren. Die Mittelmeerhäfen werden mit Subventionen aus dem Juncker-Plan verstärkt ausgebaut, um die Wirtschaft der südeuropäischen Länder anzukurbeln.

Dirk Steffes, Leiter Marktbereich Intermodal, DB Schenker Rail AG, trug zum Thema „Perspektiven der Eisenbahn in der Maritimen Logistik“ vor. Er erklärte, dass eine der Hauptachsen von DB-Cargo entlang des EU-Korridors Rotterdam-Genua verläuft. Eine der Top-Herausforderungen für den Schienengüterverkehr sei der kommende Mengen-Shift zu den Südhäfen. Die Wettbewerbsfähigkeit bzw. -vorteile der Schiene gegenüber anderen Verkehrsträgern werde durch Digitalisierung und Automatisierung sichergestellt. Deshalb setze die DB Cargo AG in ihren Planungen auf intelligente Lokomotiven und Wagen, die Standort, Beladung und kundenrelevante Parameter melden.

In einer zweiten Sequenz diskutierten neben Reinhard Klingen und Dirk Steffes Dr. Arndt Glowacki, Evonik Industries AG, Dr. Ralf Frenzel, Galeria Logistik GmbH, Heinrich Kerstgens, Contargo GmbH & Co. KG, und Torsten Schütte, CTD GmbH, unter anderem über „Open Systems“ und darüber welche Lösungen von der Logistikwirtschaft entwickelt werden, um durchgängige Supply-Chain Informationssysteme aufzubauen.

Dr. Frenzel erklärte, dass für die Verlader im Wettbewerb der Verkehrsträger der Preis die bestimmende Einflussgröße ist. Deshalb sei der Lkw trotz aller Verlagerungsabsichten immer noch der Platzhirsch.

Kerstgens kritisierte, dass trotz stagnierender Containermengen Congestion in den Seehäfen für die Binnenschifffahrt immer noch ein großes Problem darstellt.

Zur Umsetzung der Infrastrukturprojekte in NRW erklärte Reinhard Klingen in der Diskussionsrunde, dass der Eisernen Rhein in den BVWP 2030 nicht mehr aufgenommen wird, und dass es bei der Formulierung im Entwurf „die Projektdefinition ist noch nicht abgeschlossen“ bleibt. „Das Thema ist durch“, so Klingens persönliche Einschätzung. Weiter diskutiert werde die Frage, ob die erneuerungsbedürftigen Brücken auf der Teilstrecke des Wesel-Datteln-Kanals zwischen Wesel und dem Chemiepark Marl, wie von der chemischen Industrie gefordert, vorzeitig angehoben werden sollen. Die Brücken seien in der Zustandsklasse 4 und müssten somit spätestens in 10 Jahren ohnehin ersetzt werden. Jetzt gelte es zu ermitteln, ob ein vorzeitiger Bau wirtschaftlich sinnvoll sei.