02.09.2016

2. Fachforum Industrie 4.0 und Logistik:

„Digitaler Fortschritt in der Logistik“

Hückelhoven: Am 01. September 2016 fand im Gründer- und Service-Zentrum in Hückelhoven das zweite Fachforum Industrie 4.0 und Logistik des LogistikClusters NRW statt. Mit fast 40 Teilnehmern war die gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg und dem CPS.HUB NRW organisierte Veranstaltung wieder ein voller Erfolg. Im Fokus standen an diesem Tag Fachbeiträge und Diskussionen zum Themenbereich „Digitaler Fortschritt in der Logistik“. Natürlich wurde auch wieder genügend Platz geboten, um ausführlich miteinander „networken“ zu können.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten der Ausrichter Ulrich Schirowski von der WFG für den Kreis Heinsberg und Peter Abelmann als Clustermanager des LogistikClusters NRW die Gäste. Dabei wurde bereits deutlich, dass die Digitalisierung und vor allem die IT-Vernetzung in der Logistikbranche eine wichtige Rolle spielen.  

Im ersten Vortrag stellte Prof. Dr. Alex Vastag, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) das Fraunhofer Enterprise Lab vor, welches sich vor allem an größere Unternehmen richtet. Im Enterprise Lab können Unternehmen sowohl miteinander als auch voneinander lernen sowie neue Technologien für die Logistik entwickeln und testen. Eher an die KMU richtet sich ein anderes gefördertes Projekt im IML, das Kompetenzzentrum für den Mittelstand. Dabei wird der Digitalisierungsprozess für die KMU greifbar gemacht. Unternehmen können sich individuell mit dem Themenfeld auseinander setzen. Dafür hat das Fraunhofer IML eine Befähigungskette konzipiert, in der in jeder Stufe eingestiegen werden kann: Informieren, Demonstrieren, Qualifizieren, Konzipieren und Umsetzen. Zum Schluss schnitt Herr Vastag noch das Logistik Innovationslabor an, bei dem neue logistische Innovationsfelder erforscht werden.

Der nächste Vortrag kam Elmar Ockenfels, Port of Antwerp, und beschäftige sich mit den Antworten des Hafens Antwerpen auf Industrie 4.0. Herr Ockenfels erklärte, dass getrieben von Vernetzung und Informationstransparenz die wesentlichen Herausforderung in den Bereichen Globalisierung, Kundenerwartungen, nachhaltige Anforderungen, Risikomanagement und Kostendruck liegen. Um den Herausforderungen gerecht zu werden und seinen Kunden einen Mehrwert bieten zu können, entwickelte der Antwerpener Hafen Lösungen für transparente logistische Abläufe – das „Antwerp Port Community System“. Das System erlaubt es sämtliche Stakeholder der Lieferkette miteinander zu verknüpfen. Folglich kann der Informations- und Warenfluss synchronisiert werden, ohne dass die Informationsdaten mehrfach eingespielt werden müssten. Anwendung findet das System bspw. im papierlosen Export bzw. bei der Zollabwicklung oder auch in der Verplanung von Containern.

Nach einer Pause mit Gelegenheit zum Networking ging Michael Schweinsberg, CINRAM GmbH, auf  Innovation und Digitalisierung in der Lagerlogistik ein. Aufgrund der sich verändernden Lieferketten, ändern sich auch die Prozesse in der Lagerlogistik. Getrieben vom eCommerce stehen die Logistiker somit vor der Herausforderungen ihre Pick & Pack-Prozesse anzupassen, so Herr Schweinsberg. Die Anzahl der Orders nehmen zu, während die Pickmengen abnehmen. Um Effizienzsteigerungen zu realisieren und Prozesse zu reduzieren, hat CINRAM ein einzigartiges Kommissionierungssystem mit Google Glass selbst entwickelt: Eine Kombination aus pick-by-vision und pick-to-light. Das neu konzipierte System führte bei CINRAM zu einer Effizienzsteigerung von 44% beim Pickvorgang, einer höheren Performance sowie dem Eleminieren von finalen Checks.

Die letzte Präsentation des Tages hielt Rainer Hackstein, AEB GmbH. Thema seines Vortrages war die „Nachschubsteuerung: Auswirkung auf den Working Captial“. Industrie 4.0 und der dazugehörige Digitalisierungsprozess ermöglichen es, dass Daten über Bestände, Transporte, etc. jederzeit eingesehen werden können. Das Denken in Profit Centern anstatt eines gesamtunternehmerischen Denkens, verhindere jedoch oftmals das volle Potenzial der Digitalisierung bzw. des Informationstransparenz auszuschöpfen. Dies sei u.a. darauf zurückzuführen, dass die Logistiker meist an ihrer Lieferfähigkeit und Liefertreue gemessen werden. Die Folge ist, dass die vielen Bestände eigentlich unnötig sind. Herr Hackstein zeigte, dass mit einer intelligenten Steuerung von Supply Chains und der Auflösung des Profitcenter-Denkens eine deutliche Produktivitätssteigerung bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz und gleichzeitiger Erhöhung der Kundenzufriedenheit möglich ist.   

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt in allen Foren des LogistikClusters NRW ist immer eine Podiumsdiskussion unter Einbindung des Publikums. Dafür standen alle vier Referenten zur Verfügung. Wichtigstes Ergebnis dabei war, dass die Themen „Vernetzung“ und „Collabroation“ auch im Rahmen von Industrie 4.0 als die wichtigsten Zukunftsthemen erkannt wurden. Die Diskutanten waren sich außerdem einig darüber, dass die Logistikbranche auf dem besten Wege ist eine Rolle als Vorzeigebranche einzunehmen. Hierfür müssten jedoch die Transport- und Logistikunternehmen selbstsicherer auftreten und sich Ihrer Bedeutung als solches annehmen. Im Anschluss der Podiumsdiskussion bot das Cluster noch weitere Möglichkeiten zum Networking.