11.04.2016

Logistik wird sich durch Digitalisierung stark verändern

NRW-Fachforum „Industrie 4.0 und Logistik“ im Industriepark zeigt auf, wo die Reise hingeht

Bocholt. Mehr als 60 Vertreter der Logistikbranche aus ganz Nordrhein-Westfalen waren am 07.04.2016 der Einladung vom NRW-Logistikcluster/LOG-IT Club e.V., der Wirtschaftsförderung Bocholt und der IHK-Nord-Westfalen in das Open Innovation Center der LB GmbH gefolgt und wurden nicht enttäuscht. Gebannt folgten sie den vier Vorträgen, welche aufzeigten, welche faszinierenden Ausblicke und praktischen Anwendungsmöglichkeiten die Digitalisierung für die Logistikbranche bietet.

Prof. Dr. Uwe Clausen, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik, Dortmund, ging auf einige Megatrends ein. „Fahrerlose Züge, Unbemannte Seeschifffahrt, selbstständig fahrende LKW sind jetzt schon technisch machbar. Es fehlen aber einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen dafür, außerdem gibt es ethische Fragestellungen wie z. B. wer ist verantwortlich, wenn ein Mensch getötet oder verletzt wird, aber niemand strafrechtlich verantwortlich ist, weil das System „schuld“ hat?“

„Die gesamte Transportkette wird sichtbar gemacht und miteinander verbunden, es gibt zahlreiche Filtermöglichkeiten und Zugriffe sind weltweit von überall möglich. Im Übrigen reduziert der elektronische Informationsaustausch den Papierfluss erheblich, es herrscht durchgängige Transparenz, die Effizienz wird erheblich gesteigert“ schilderte Christian Krüger, catkin GmbH beispielhaft die Vorteile der digitalen Vernetzung für den Bereich der Transportlogistik.

Zweifellos gehören auch Apps zu den Megatrends in der Logistikbranche. „Für die Lagerlogistik lassen sich mit individuell gestaltbaren Apps ideale Lösungs-möglichkeiten aufzeigen. Die Apps sind untereinander vernetzt und lassen sich zu durchgängigen Prozessen verbinden. Gearbeitet wird ortsunabhängig, an Arbeitsplatzrechnern, mobilen Handgeräten oder Smartphones“, so Dirk Meyer von der Logata Digital Solutions GmbH in Bocholt. In dem Zusammenhang ging Dirk Meyer auf die Ergebnisse des aktuellen Forschungsprojekt „Hub2Move“ ein, an dem u.a. neben dem Fraunhofer-Institut und auch sein Unternehmen beteiligt ist: Dank neuer flexibler, mobiler und leicht umzubauender Handhabungs-, Förder- und Lagertechnik sei es gelungen, ein umzugsfähiges Umschlagslager zu entwickeln. „Damit kann man in kurzer Zeit einen neuen Produktionsstandort suchen und mit einem Materialflusssystem umziehen lassen. So wird man der heute benötigten Wandelbarkeit in der Logistik gerecht.“

In der anschließenden - von NRW-Logistikclustermanager Peter Abelmann moderierten - Podiumsdiskussion mit den Referenten des Tages wurde herausgestellt, dass sich jedes Unternehmen möglichst frühzeitig mit der neuen Technologie beschäftigen sollte, um im Wettbewerb später nicht das Nachsehen zu haben. Monika Gatzke von der Bergischen Universität Wuppertal sieht sich dabei als Dienstleister für die Logistikbranche, der „die Technologie als Inspiration nutzt, der Branche immer wieder neue Wege und Trends aufzuzeigen. Dabei geht es vor allem darum, auch gemeinsam mit anderen Dienstleistern neue Servicepakete zu entwickeln“. Die Teilnehmer waren sich einig, dass durch die Digitalisierung der Logistikbranche sicherlich Arbeitsplätze wegfallen, aber dies sei kein Grund, sich der Entwicklung zu verschließen, denn es würden ja auch neue Arbeitsplätze mit anderen Anforderungen geschaffen. Auch für den Bereich des Einzelhandels war man sich einig, dass es darum gehe, sich mit dem Thema beschäftigen, ohne dabei übereilt zu handeln. Auch insoweit böten sich immer wieder Möglichkeiten und Trends, sich vom E-Commerce positiv abzugrenzen.

Die angereisten Vertreter der Logistikbranche tauschten sich anschließend bei einem Imbiss rege aus und äußerten sich begeistert über die hochinteressante und gut besuchte Logistikveranstaltung. Die Präsentation des Wirtschafts- und Logistikstandortes mittels des neuen Imagefilms der Wirtschaftsförderung im Rahmen der Begrüßung durch Ludger Dieckhues löste im Übrigen spontan viele positive Reaktionen unter den auswärtigen Gästen aus.