18.03.2016

BranchenForum ChemieLogistik: „Digitalisierungsprozess in der Chemielogistik“

Hürth: Am 16. März 2016 fand im Feierabendhaus in Hürth das nunmehr fünfte Branchen-Forum ChemieLogistik des LogistikClusters NRW statt. Mit erneut über 100 Teilnehmern war die gemeinsam mit der InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG, dem VVWL NRW, ChemCo-logne und der BVL Regionalgruppe Rhein organisierte Veranstaltung wieder ein voller Erfolg. Im Zentrum der Veranstaltung standen an diesem Tag Fachbeiträge und Diskussionen zum Themenbereich „Digitalisierungsprozess in der Chemielogistik“. Natürlich wurde wieder genug Platz geboten, damit alle Beteiligten der logistischen Kette in der chemischen Industrie ausführlich miteinander „networken“ konnten.

Zunächst begrüßten Ralf Schillinger von der InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG als Ausrichter der Veranstaltung, Prof. Dr. Otto Jockel als Regionalgruppensprecher der BVL und Dirk Emmerich als Vorstand des clustertragenden LOG-IT Club e.V. die Gäste. Dabei wurde bereits deutlich, dass die Digitalisierung im privaten Umfeld weit vorangeschritten ist, während in der Chemielogistik noch Potenzial besteht.

Im ersten Vortrag eröffnete Dr. Ingo Marko, INFORM GmbH, den Reigen der Vorträge. In seinem Vortrag ging Dr. Marko kurz auf die Begrifflichkeit Industrie 4.0 und Digitalisierung ein, bevor er die Chancen der Digitalisierung für die Chemielogistik erläuterte. Diese liegen in erster Linie bei einer Steigerung der Bruttowertschöpfung. Das Wachstum fuße dabei auf die fünf Grundbausteine: hohe Wettbewerbsstärke, flexible Fertigung, individuelle Produktion, innovative Geschäftsmodelle sowie neues Arbeiten und werden maßgeblich von Industrie 4.0 beeinflusst. Wesentliche Voraussetzungen dafür sind die Automatisierung, Transparenz und Kollaboration – letztere sowohl unternehmensintern als auch -übergreifend. Zum Schluss ging Dr. Marko noch beispielhaft auf Supply Chain Event Management ein. Er zeigte welche Möglichkeiten der Problemlösung sich aus der steigenden Anzahl an Algorithmen und steigender Rechnerleistungen ergeben. Insgesamt stünde die Chemielogistik aber erst am Anfang des Digitalisierungsprozesses.

Der nächste Vortrag kam von Holger Mengel, InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG, und beschäftigte sich mit dem Digitalisierungspfad sowie Praxiserfahrungen der InfraServ Knapsack. Herr Mengel knüpfte an den Vortrag von INFORM an und erläuterte, dass die Digitalisierung bei der InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG insbesondere neue Arbeitsformen und mehr Transparenz mit sich bringe. Auch hierdurch würde das Wissensmanagement, d.h. das Teilen von Wissen, gefördert. Auch erklärte Herr Mengel, dass vermehrt mobile Applikationen zum Einsatz kommen und der Automatisierungsgrad stark zunimmt. Eine zentrale Rolle spiele dabei Microsoft Share Point, welches es InfraServ ermögliche, Datenbanken, Worksflows, Intranet, Extranet, Dokumente, etc. zunehmend zu digitalisieren. Als einfaches Beispiel wurde das Organisieren von Meetings aufgeführt. Insgesamt sieht Herr Mengel die IT-Abteilung der Zukunft als Dienstleister, welcher alle notwendigen Ressourcen stelle.

Nach einer Pause mit Gelegenheit zum Netzwerken erklärte Udo Gruhn, star/trac supply chain solutions GmbH, die digitale Transformation in der Chemielogistik und zeigte anhand von Praxisbeispielen den aktuellen Entwicklungsstand bzw. Praxiseinsatz. Er erklärte, dass sich durch die Digitalisierung Chancen und Möglichkeiten ergeben, die vorher undenkbar erschienen. Dazu zählt er u.a. den unmittelbaren Eingriff in laufende Prozesse durch einen Realtime-Datenaustausch. Anwendungen wie Frachtenbörsen, Slotbooking, Tracking & Tracing und GPS-Navigation sieht Herr Gruhn als Beweis, dass die Digitalisierung heute schon allgegenwärtig ist und einen Großteil des Tagesgeschäfts in der Chemielogistik bestimmt. Dabei sei der Nutzen von digitaler Prozesssteuerung durch den Einsatz entsprechender Technologien für Anwender direkt messbar. Als Beispiele wurden die automatische LKW-Abfertigung, mobile Prozesssteuerung sowie eine automatische Zulaufsteuerung genannt. Herr Gruhn ist sicher, dass die Digitalisierung die Chemielogistik noch stärker verändern und für eine enge datentechnische Integration sorgen wird.

Die letzte Präsentation des Tages hielt RA Christine Libor, FPS Fricke Wicke Seelig. Beispielhaft ging sie auf die praktischen Anforderungen einer Chemielogistik 4.0 ein. Wichtige zu beachtende Elemente seien zum einen personenbezogene Daten, dessen Erhebung, Speicherung und Nutzung nach deutschem sowie europäischem Grundkonzept zulässig ist, soweit diese für die Entscheidung über Begründung, Durchführung und Beendigung des Arbeitsverhältnisses erforderlich sind (§ 32 BDSG). Darüber hinaus könnten Daten ebenfalls genutzt werden, um bei vorliegenden Indizien oder begründetem Verdacht Straftaten aufzudecken. Allein mit dieser Gesetzesregelung sieht Frau Libor eine wichtige Grundlage für das Voranschreiten von Industrie 4.0. In jedem Einzelfall sei aber zu prüfen, welche Person welche Informationen haben muss und wo anonymisierte Datensätze reichen. Zum anderen ging Frau Libor auf produktbezogene Daten ein. Wichtigstes Element sei dabei die Datensicherheit, die nicht nur technisch zu lösen ist. Elementar sei auch die Zuweisung von Verantwortlichkeiten z.B. über exakte Dokumentation der Datenflüsse und Prüfungsschritte sowie vertragliche Regelungen.

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt in allen BranchenForen des LogistikClusters NRW ist immer eine Podiumsdiskussion unter Einbindung des Publikums. Dafür standen alle vier Referenten zur Verfügung. Die Diskutanten waren sich einig darüber, dass sowohl die großen als auch die KMU vom Digitalisierungsprozess betroffen sind und sich mittelfristig auch die Arbeitswelt maßgeblich verändern wird. Einen wesentlichen Effizienzhebel sehen die Diskutanten insbesondere in der unternehmensübergreifenden Kooperation, sodass ein automatischer Datenaustausch z.B. LKW-Daten oder Fahrer-Daten über Unternehmensgrenzen hinweg möglich wird bzw. diese zentral zur Verfügung gestellt werden. Der rechtliche Rahmen dafür sei in jedem Fall heute schon da – sowohl auf deutscher als auch auf europäischer Ebene. Die Herausforderung liege demnach vielmehr darin, die Bereitschaft der Unternehmen signifikant zu steigern.

Im Anschluss der Podiumsdiskussion bot das Cluster noch weitere Möglichkeiten zum Networking. Die Veranstalter waren sich einig, auch 2017 wieder ein BranchenForum ChemieLogistik.NRW in Hürth Knapsack durchzuführen.