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25.01.2012 13:24 Alter: 114 days

Jahresauftakt der NRW-Logistikbranche: Logistikkonjunktur in 2012 eher „seitwärts“, Infrastrukturaufgaben anpacken!

Düsseldorf. Der Jahresauftakt des LogistikClusters NRW, der am 23.01.2011 in der Räumen der IHK zu Düsseldorf stattfand, war mit über 150 Teilnehmern wieder das erste Highlight im Logistikjahr 2012. Hier versammelten sich alle Spitzen der NRW-Logistikwirtschaft und mit Minister Harry K. Voigtsberger konnte wieder ein prominenter Redner begrüßt werden. Neben der Lageeinschätzung für 2012 ging es in diesem Jahr vor allem um das Thema Co-Modalität. Dabei wurde nochmals deutlich, dass die logistischen Aufgaben der Zukunft (Verkehrswachstum um 60%) nur im Zusammenspiel aller Verkehrsträger möglich sind. Dazu müssen jedoch auch noch infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden.


Von links nach rechts: Hermann Grewer, Matthias Löhr, Minister Harry K. Voigtsberger, Dr. Udo Siepmann

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Lenkungskreises des LogistikClusters NRW Herrn Matthias Löhr und den Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf Herrn Dr. Udo Siepmann übernahm Peter Abelmann (Clustermanager Logistik.NRW) wie in jedem Jahr die Aufgabe die Lageeinschätzung der Branche aus dem NRW.LOGISTIKINDEX vorzustellen.

Im Dezember 2011 stieg das Geschäftsklima des Indexes aufgrund einer besseren Zukunftserwartung nach leichter Eintrübung in den Vormonaten wieder an. Aber auch für 2012 erwartet die Branche eher eine Seitwärtsentwicklung als ein starkes Wachstum – die Einschätzungen in NRW sind in diesem Punkt allerdings etwas positiver als im Bundesvergleich. Sorgen machen sich die Unternehmen um den Nachwuchs. So erwarten zwar die meisten Unternehmen Neueinstellungen für das laufende Jahr – Engpässe werden aber in allen Bereichen der Logistik schon heute deutlich. Abelmann geht daher davon aus, dass das Thema „Demographie“ ein wichtiges Zukunftsthema für die Logistik ist.

„Mobilität und Logistik zählen aus guten Gründen zu den Leitmärkten, auf die sich die Wirtschaftspolitik des Landes  in den nächsten Jahren konzentrieren wird. Die Logistikwirtschaft ist für den Wirtschaftsstandort NRW von herausragender Bedeutung“, fasste NRW-Wirtschafts- und Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger  den hohen Stellenwert der Transport-, Speditions- und Logistikwirtschaft für das größte deutsche Bundesland zusammen. Er werde sich als Verkehrs- und Infrastrukturminister weiterhin für den Ausbau der Schienen-, wasser- und Straßenverkehrswege einsetzen, mahnte aber auch mit Blick auf die seines Erachtens bestehenden Ausbaugrenzen Maßnahmen zur  effizienteren Nutzung der bereits vorhandenen Verkehrsträger an. Der NRW-Minister sieht hier auch eine wichtige Aufgabe für die Logistiker: „Einer intelligenten Organisation co-modaler Transport- und Versorgungsprozesse kommt hier eine bedeutende Schlüsselrolle zu“,  so Harry K. Voigtsberger.

Hermann Grewer, Vorsitzender des Verbandes Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e.V. und Präsident des BGL, und Dr. Hansjörg Rodi, Vorsitzender des Vorstandes Schenker Deutschland AG, waren sich in Ihren Statements zur Definition der Co-Modalität einig. Für Sie ist Co-Modalität die Förderung und Weiterentwicklung aller Verkehrsträger. Beide begrüßten ausdrücklich Maßnahmen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs und der Schifffahrt und Häfen in NRW. Genauso wichtig seien aber Effizienzsteigerung, Engpassbeseitigung und Instandhaltung der Straßeninfrastruktur. Zur Effizienzsteigerung und Systemoptimierung gehörten, so Hermann Grewer und Dr. Hansjörg Rodi weiter, aber  auch Innovationen wie der Lang-Lkw. Hier habe man Unverständnis für die verkehrspolitische Position Nordrhein-Westfalens.

Dr. Christoph Kösters, Clustermanager Logistik.NRW und Hauptgeschäftsführer des VVWL NRW e.V., wies darauf hin, dass NRW mit einem 25%-Anteil der Binnenschifffahrt und einem 22%-Anteil der Eisenbahnen am gesamten Güterverkehr in NRW bereits heute im bundesweiten und wahrscheinlich auch westeuropäischen Vergleich modale „Spitzenwerte“ aufweise. NRW ist zudem mit einem Anteil von 50% Binnenschifffahrtsland Nr. 1 und mit einem Aufkommen von rd. 75 Mio. Tonnen in 2010 der wichtigste deutsche Eisenbahnmarkt.

Armin Riedl, Geschäftsführer der Kombiverkehr, und Rainer Schäfer, der Geschäftsführer des Neuss-Düsseldorfer Hafens und BÖB-Präsident, befassten sich insbesondere mit der infrastrukturellen Situation von inter- und multimodalen Verkehren. Armin Riedl verwies auf Bottlenecks im Schienen-Hinterlandverkehr der ZARA-Häfen zu den NRW-Logistikknoten. Hierzu gehörten nicht nur die dringenden Projekte 3. Gleis Emmerich – Oberhausen (Betuwe-Route) und damit zusammenhängend höhere Verfügbarkeiten im Bahnknoten Oberhausen-West sowie der Bau des Eiserner Rheins. Kapazitätsbedingte Engpässe zur Zugbildung in bestimmten Vorbahnhöfen von NRW-Hafenstandorten seien zudem ein weiterer Hemmschuh für noch mehr Co-modale Angebote.

Hendrik Penner, Leiter Produktionszentrum Duisburg/Hagen der DB Schenker Rail Deutschland AG, nannte in diesem Zusammenhang als großer Kunde von DB-Netz seine Wünsche wie Modernisierungen und Effizienzsteigerungen in der für NRW wichtigen Zugbildungsanlage Köln-Gremberg und im Terminal Köln-Eifeltor.  
Angesichts der Mengenprognosen der Häfen Antwerpen und Rotterdam und den daraus resultierenden Mengenzuwächsen bieten sich große Chancen für den Logistikstandort NRW. Um diese Zukunftschancen zu nutzen, können der co-modale Verkehr mit allen Verkehrsträgern und das hervorragende Netz an Häfen und Logistikstandorten in NRW ein großer Wettbewerbsvorteil sein. Im Sinne von Effizienz, Marktnähe und Nachhaltigkeit müsse, so Dr. Hansjörg Rodi und Rainer Schäfer, für diese Verkehre mit NRW-Relevanz auf die Knoten in NRW in unmittelbarer Nähe von Produktion und Absatz und nicht auf reine Transit-Hubs „mitten auf dem Weg“ gesetzt werden.

 
Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, verwies in diesem Zusammenhang auf die Projektidee „Reisholzer Hafen“. Dort soll unter Einbeziehung des vorhandenen und bereits als Industrie- und Hafenflächen gewidmeten Areals von zusammen 56 ha langfristig ein hochmodernes Logistik-Drehkreuz entstehen.

Bert Kloppert, Teamkoordinator im Bereich Einkauf/Logistik,  ThyssenKruppSteel Europe AG, beeindruckte mit dem hohen Verkehrsaufkommen des Unternehmens in NRW (230 Mio. Tonnen im Jahr) und dem hohen Anteil von Schiffs- und Schienentransporten. Er  betonte aus Industriesicht den Bedarf an Erhalt und Ausbau der Verkehrswege. Dies sei ein wichtiger Standortfaktor für die Industrie.

Verlässliche Rahmenbedingungen bei Infrastrukturfinanzierung, Flächenverfügbarkeit und im Planungsbereich, so die Referenten, seien eine zentrale politische Aufgabe der nächsten Jahre. Angesichts der Tatsache, dass NRW mehr als ein Fünftel der Wirtschaftskraft und Bevölkerung Deutschlands auf sich vereine, gehe es hier auch um eine angemessene Berücksichtigung des NRW-Infrastrukturbedarfs im Mitteleinsatzes des Bundes.

Der Jahresauftakt des LogistikClusters NRW wird auch im kommenden Jahr wieder das Logistikjahr einläuten. Einen zusammenfassenden Film zum Jahresauftakt 2012 finden Sie in den kommenden Tagen im Bereich ClusterTV auf der Website www.logistik.nrw.de.

Die nächste größere Veranstaltung des LogistikClusters NRW ist das Branchenforum HandelsLogistik.NRW, dass am 13.02.2012 in Dortmund stattfindet.


 
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