Kooperative Prozessoptimierung und Energieeffizienz sind die „Treiber“ auch für Green Logistics und Logistiknetzwerke

FachForum Logistiknetzwerke von Logistik.NRW, VVWL und IHKen im Rheinland am 17.06.2010 in Köln (IHK zu Köln).

Ist Green Logistics nur ein Modetrend? Welche strukturellen Veränderungen sind in den logistischen Netzwerken als Folge der Krise oder etwa für Green Logistics festzustellen? Wo bleibt der Mittelstand? Diese und andere Fragen zur zukünftigen Entwicklung der Logistiknetzwerke stellten Kay A. Espey, stv. Vorsitzender des Landesverbandes Spedition + Logistik im Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) e. V., und Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Köln und Sprecher der Industrie- und Handelskammern im Rheinland, in ihren Begrüßungsreden in den Mittelpunkt des FachForums Logistiknetzwerke am 17. Juni 2010 in Köln. Veranstalter waren das Logistikcluster Nordrhein-Westfalen und der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) e. V. in Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern im Rheinland.

Zu den aktuellen und zukünftigen Marktentwicklungen im Jahr 2010 fielen auf Seiten der Logistikdienstleister die Stichworte Frachtraumknappheit, Sorge um die Kraftstoffpreisentwicklung und Notwendigkeit steigender Preise. Hinsichtlich der Stabilität der in den vergangenen Monaten wieder angestiegenen Volumina wurden keine eindeutigen Trendaussagen gemacht. Dennoch schwang die feste Hoffnung durch, dass die Trendwende nachhaltig sei. Bis man jedoch wieder auf den Niveaus von Mitte 2008 sei, so Udo Brekow, Bereichsleiter Corporate Sales & Solutions, Dachser GmbH & Co. KG, dauere es aber noch einige Zeit.

Für Oliver Wittig, Supply Chain Manager Deutschland von Henkel AG & Co. KGaA, ist die „grüne Logistik“ ein wesentlicher Trend und keine Modeerscheinung. Entwicklungen und Herausforderungen im gesellschaftlichen und politischen Umfeld und im Kundenumfeld von Henkel signalisierten dies ganz eindeutig. Grundelemente von Green Logistics seien ressourcen-, energie- und kosteneffiziente Logistikabläufe. Nicht einzelne Schritte, sondern nur ein breites Spektrum an Einzelmaßnahmen führe als Paket zum Gesamterfolg. Hierzu seien Beiträge aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten vonnöten, wie etwa eine konsequente Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft der Logistikdienstleister.

Auch Udo Brekow sieht in dem Themenkreis nachhaltige Wertschöpfungsketten, Effizienz und Energiealternativen einen wesentlichen Trend. Für Gerd Deimel, Vice President Logistics & Supply Chain Aliseca GmbH (Lanxess), ist Green Logistics ebenfalls von hoher Relevanz, die Nachhaltigkeit stehe ganz klar im Fokus der Unternehmensziele von Lanxess. In seinem Unternehmen gäbe es klare CO2-Senkungsvorgaben, so habe man die betreffenden Zielvorgaben für 2012 schon im Jahr 2009 erreicht.

Wird ein Produkt „Green Logistics“ auch zu Zahlungsbereitschaften auf Kundenseite führen? Prof. Clausen, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik, Dortmund, ist da skeptisch: Zwar zeigten Industrie und Handel Interesse am Thema, die Zahlungsbereitschaft sei dort aber bislang „nicht sehr ausgeprägt“. Die Logistikdienstleister, allen voran Udo Brekow von Dachser und Peter Köster, stv. Geschäftsführer der Stückgutkooperation Cargoline GmbH, forderten hingegen echte Wertschöpfungsbeiträge auch von Industrie und Handel. Aufwendungen der Dienstleister im Rahmen der Umsetzung von Green Logistics müssten natürlich kundenseitig marktwirtschaftlich goutiert werden.
Udo Brekow sieht weitere Nachfragetrends in der seit der Finanzkrise wieder aufgeflammten Diskussion um Werte und Leitbilder unternehmerischer Tätigkeit und dem wegen der zunehmenden Komplexität der Handels- und Logistikströme immer wichtigeren Netzwerkmanagement. Erschwerend komme hinzu, dass sich die volkswirtschaftlichen und somit marktbezogenen Wachstumsprozesse auf absehbare Zeit mehr in ständigen Schwankungen/Wellenbewegungen als wie bislang in periodischen Schüben vollzögen, so seine Einschätzung.

Für große Logistikkunden wie Lanxess seien die Logistiknetzwerke von großer Bedeutung, so Gerd Deimel. In seinem Hause würden die Logistikprozesse nicht als Kosten- sondern als Wertschöpfungsfaktor angesehen. Entscheidend sei vielfach die Optimierung der Prozesse in den Verknüpfungspunkten. Ein sogenanntes „One Stop Shopping“ sei für ihn nur „von Fall zu Fall“ sinnvoll. Ein Arbeiten alleine mit „kleinen“ Logistikdienstleistern bärge für einen Verlader von der Größe einer Firma wie Lanxess ein zu hohes Risiko in sich, andererseits gäbe es bei nur einem Dienstleistungspartner zu starke Abhängigkeiten und es fehle dann der Wettbewerb. Insgesamt sei als Folge der Krise ein weiterer Trend zur Konzentration auf der Anbieterseite festzustellen. Besondere strukturelle Effekte der Wirtschaftskrise auf die Logistiknetzwerke sahen und sehen die anwesenden Logistikdienstleister nicht. Auch in der Krise sei es wie schon zuvor vor allem um die permanente Prozessoptimierung, den Erhalt und den Ausbau der nationalen und internationalen Flächenpräsenz sowie um weitere Qualitätsverbesserungen gegangen – dies sei auch in Zukunft so.

Lassen sich globale Netzwerke überhaupt steuern und wie sind sie hinsichtlich ihrer Performance derzeit zu beurteilen? Für Torsten Schwarz, Geschäftsführer der Setlog GmbH, einem Anbieter und Betreiber einer Internet-Plattform, auf der von und für Hersteller, Händler und Logistiker Beschaffungsprozesse entlang der globalen Produktions-, Liefer- und Logistikketten optimiert und logistisch betrieben werden, steht die Steuerbarkeit außer Frage. In seinem Schwerpunktmarkt, den weltweiten Logistikketten für Konsumgüter, insb. für Textilien, bestünde die große Herausforderung darin, in relativ kurzen Zeiträumen bestehende Logistikketten anzupassen und wieder neu abzubilden. Gründe hierfür seien im Jahresverlauf mehrfach wechselnde Modekollektionen und häufig auch Lieferantenwechsel durch die Auftraggeber. Eine generelle Beurteilung der Güte von Netzwerken sei nicht möglich, hier sei stark nach Produkten und Branchen zu differenzieren. Aktuell stünden auf Seiten der Industrie vor allem operative Optimierungen im Fokus, wobei nicht selten leider der strategische Aspekt, die Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette und der dortigen Effekte, außer Acht bleibe.

Ein wichtiges Diskussionsthema war auch die Frage, ob zentrale oder kooperative Logistiknetze die beste Lösung sind. Udo Brekow von Dachser sieht als bedeutende Voraussetzung für tragfähige Netzwerke eine hinreichende Finanzkraft und durchgehende Prozessqualität. Dies bevorteile zentrale Netze gegenüber Kooperationen, wo der schwächste Partner nicht selten das Tempo bestimme. Dem widersprach Peter Köster von Cargoline deutlich und verwies auf die inzwischen europaweite Netzabdeckung des Cargoline-Verbundes. Sehr wichtig für die Zukunft des Mittelstandes, so Prof. Dr. Uwe Clausen von Fraunhofer IML, sei die Beantwortung der Frage, wie man sich in Partnerschaften gut organisieren könne, um die zunehmend nachgefragten möglichst umfassenden Lösungen anbieten zu können.

 
Ob unter der Überschrift Green Logistics oder laufende Optimierung der Prozesse, wichtige einzelne Effizienzverbesserungspotentiale, so waren sich die Podiumsdiskutanten einig, lägen in Bereichen wie etwa Verpackungsoptimierungen, Fuhrparkmanagement und Be- und Entladezeiten. Hier wie insgesamt bei den Querschnittsthemen Green Logistics und Logistiknetzwerken gehe es nicht ohne gemeinsame Anstrengungen der Beteiligten an der Wertschöpfungskette, d. h. von Dienstleistern und Verladern bzw. Empfängern. Nach der einhelligen Meinung der Teilnehmer müsse dieser zentrale Gedanke in der Praxis noch mehr gelebt werden.


Kay A. Espey, stv. Vorsitzender Landesverband Spedition + Logistik im VVWL
Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer IHK zu Köln, Sprecher der Industrie- und Handelskammern im Rheinland
Referent Oliver Wittig, Supply Chain Manager Deutschland von Henkel AG & Co. KGaA
Referent Udo Brekow, Bereichsleiter Corporate Sales & Solutions, Dachser GmbH & Co. KG
Podiumsdiskussion: v.l.n.r.: Torsten Schwarz, Geschäftsführer Setlog GmbH, Peter Köster, stv. Geschäftsführer Cargoline GmbH, Gerd Deimel, Vice President Logistics & Supply Chain, Aliseca GmbH (Lanxess), Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen, Leiter Fraunhofer IML Dortmund, Udo Brekow, Bereichsleiter Corporate Sales & Solutions, Dachser GmbH & Co. KG, Moderator: Volker Ackermeier, Geschäftsführer Landesverband Spedition + Logistik im VVWL
 
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