10. BranchenForum Stahl in Dortmund am 29.04.2010: Erste positive Signale nach der Krise – Rohstoff- und Energiekosten ein großes Problem

[03.05.2010] Liegt die Krise endlich hinter uns? Die Antworten auf diese Frage prägten den Auftakt des 10. BranchenForums Stahl, das das Logistikcluster.NRW in Dortmund am 29. April ausrichtete. Der Einladung unter dem Motto: „Innovationen, Strategien und Märkte 2010 Plus“ waren auch in diesem Jahr wieder gut 120 führende Vertretern aus Stahlindustrie, stahlverarbeitender Industrie, Automobilwirtschaft und Stahllogistik gefolgt.

Das Krisenjahr 2009 fasste der Vorsitzende des VVWL und Präsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V., Hermann Grewer, in seiner Eröffnungsrede als eine Zeit des Kampfes ums Überleben zusammen. „Der schlimmste Einbruch in der Nachkriegszeit hat uns ereilt, bei Eisen und Stahl ist statistisch gesehen die Verkehrsleistung um über 30% zurückgegangen,“ stellte Grewer fest. Für 2010 sei jedoch eine Belebung erkennbar, Mengen und Aufträge zögen an.

„Obwohl die Stahlproduktion in der EU immer noch 27 Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau liegt, geht es kontinuierlich bergauf“, bestätigte Dr. Martin Theuringer von der Wirtschaftsvereinigung Stahl die positive Einschätzung. Ein deutliches Indiz für die Konjunkturerholung sei die Tatsache, dass der letzte der sechs in Deutschland stillgelegten Hochöfen im Juni wieder hochgefahren würde. Diese Entwicklung sah Dr. Theuringer durch einen ökonomischen Faktor untermauert: „Während der Krise hat die produzierende Industrie ihre Lager erheblich abgebaut. Selbst wenn die allgemeine Konjunktur nicht weiter anziehen sollte, wird die Nachfrage durch das Ende des Destockings um rund 15 Prozent steigen.“ Als Wermutstropfen stellte er jedoch heraus, dass die Preise sich zögerlicher entwickeln würden als der Aufschwung.

Auch Leonhard von Herzogenberg von der Universal Eisen und Stahl GmbH als Vertreter des Stahlhandels war sich mit Dr. Theuringer einig, dass die Entwicklung der Rohstoffpreise einen Grund zur Sorge liefern. Der Rohstoffsektor werde von einem Oligopol beherrscht, in dem sich drei Anbieter rund 75 Prozent des Marktes teilten. Vom Moderator der Veranstaltung, Michael Cordes, auf die Haltung des Handels zu den Logistikern angesprochen, fand von Herzogenberg klare Worte: „Wir brauchen faire Partner. Wenn die Speditionen mit uns in der Lage sind, die Probleme der Zukunft zu meistern, kommt dabei auch ein fairer Preis heraus.“ Er räumte zusätzlich ein, dass bei den Rahmenbedingungen auf die Logistiker zugegangen werden müsse, um beispielsweise die Standzeiten zu reduzieren.

Dr.-Ing. Werner Schmidt von TUL-LOG GmbH stellte Ladungssicherungskonzepte vor, die er mit positiven Beispielen und auch einigen abschreckenden Fotos erläuterte. Thomas Usinger, Geschäftsführer der Usinger & Trombetta GmbH, gab dazu Beispiele aus seiner unternehmerischen Praxis, wie mit wenig aufwändigen Mitteln der Fuhrpark für eine gute Ladungssicherung vorbereitet werden kann. In seinem weiteren Vortrag machte Usinger die Notwendigkeit neuer Abmessungen und Gewichte deutlich, um nicht nur dem Verkehrswachstum effizient zu begegnen, sondern auch um CO2-Emissionen beim Transport durch neue Stromlinienformen entscheidend zu senken. Dabei warnte er jedoch vor überzogenen Forderungen nach Gewichten jenseits der 44 Tonnen: „Wir müssen die Bevölkerung mitnehmen und müssen zu den anderen Verkehrsträgern kompatibel bleiben.“

Ein Impulsvortrag von Oswald Metzger, ehemaliges Bundestagsmitglied von Bünd-nis90Die Grünen und heutiges CDU-Mitglied und Publizist, rundete die Vortragsreihen ab. Unter viel Applaus stellte er parteiübergreifende Schwachpunkte der heutigen Politik heraus. So seien die Verkehrswegepläne nichts als moderne Märchenbücher, deren Finanzierung durch keinen Etat gedeckt seien.

In den Podiumsdiskussionen stellten sich die Vortragenden und weitere Fachleute dem Publikum. Überraschen konnte dabei Dr. Werner Reh vom Naturschutzverband BUND, der Güterkraftverkehrsprojekten den klaren Vorzug vor Prestigeobjekten wie „Hochgeschwindigkeitszügen“ oder wahlkampfstützenden Ortsumgehungen gab. Selbstbewusst konnten die Praktiker mit dem Thema „Umweltschutz“ ohnehin umgehen. Roderik Hömann von der Wirtschaftsvereinigung Stahl betonte, dass der Energieverbrauch zur Herstellung von Stahl in den letzten Jahren halbiert wurde. Kai Mornhinweg von unternehmer.nrw stellte heraus, dass ohne Stahl viele Umweltprojekte, insbesondere regenerative Energiegewinnung, völlig undenkbar wären.

Jürgen Hasler, Manager Corporate Development von Imperial Logistics International, verwies auf die große Erfahrung seines Unternehmens beim Einsatz aller drei Verkehrsträger. Für den Logistikstandort Deutschland von besonderer Zukunftsbedeutung seien die Wachstumsmärkte, insbesondere die internationalen und Transitverkehre. Er sprach sich auch gegen eine Verteufelung der Transitverkehre aus: „Wir dürfen froh sein, dass die Straßengüterverkehre, auch im Transitbereich, noch nach Deutschland kommen, sonst wäre der Wirtschafts- und Logistikstandort Deutschland in Gefahr.“ Er wies hier insbesondere auf die hohen Bündelungseffekte der verschiedenen Verkehrsströme und die hieraus resultierenden Chancen für den Logistikstandort hin.

Neben dem offiziellen Programm hatten die Teilnehmer ausreichend Gelegenheit, abseits der alltäglichen Marktbeziehungen konstruktive Gespräche zwischen Industrie, Handel und Dienstleistern zu führen.

 
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